Rücktritt Als Sportdirektor Im Tsvö

Rücktritt als Sportdirektor im TSVÖ

Liebes Präsidial-Mitglied!
Lieber Rechnungsprüfer!
Lieber Kommissionsleiter!
Liebe Trainerin!
Lieber Trainer!
Lieber Vereinsvertreterin!
Lieber Vereinsvertreter!

Hiermit trete ich mit sofortiger Wirkung von meinen TSVÖ-Funktionen zurück.

Nachwuchs im kommenden Frühjahr und neue berufliche Verantwortungen lassen es nicht mehr zu, mich im notwendig-masochistischen Ausmaß um die ehrenamtliche „Mission Impossible“ Leistungssport im TSVÖ zu kümmern und mich dabei ständig von engen Kollegen demütigen zu lassen.

Wiederholt geäußerter fehlender Respekt sowie Verständnis für den Leistungssport und Rückhalt des Präsidiums trugen das seinige zum Zeitpunkt des Rückzugs bei – meine Leistungen, Struktur- und Reformarbeit für den TSVÖ wurden jüngst im Präsidium nicht erkannt, sondern mit der Bierflasche in der Hand, chauvinistisch verlächerlicht, verkannt und torpediert, gepaart mit sexistischen und rassistischen Untergriffen. In einem Führungsgremium eines durch öffentliche Sportfördergelder am Leben gehaltenen Sportverbandes kann ich solch ein wiederholtes Verhalten nicht tolerieren und moralisch nicht mehr mittragen (gegenüber dem Präsidenten wurde dies mehrfach von mir intern aufgezeigt, geändert hat sich wenig).

Von meinen gestern gegenüber Präsidialmitgliedern offen – auch deshalb – geäußerten Rücktritts-Gedanken wurde ich von den anwesenden Präsidialmitgliedern nicht abgehalten, sondern im Gegenteil: dazu ermutigt – mit der Bierflasche in der Hand im TSVÖ-Büro.

Auch meine Loyalität und meine Paktfähigkeit wurden im letzten Jahr und deutlich sichtbar gestern überstrapaziert (durch gezieltes Einbringen von Unwahrheiten). Generell bin ich nicht mehr bereit für die Verfehlungen anderer und eines Flipflopper-Kurses des Präsidiums und einen politisch taumelnden Präsidenten und Vizepräsidenten meinen Kopf weiterhin an der Front hinzuhalten. Wie einen Putzfetzen lasse ich mich nicht mehr behandeln.

Ich kann es etwa auch nicht verantworten, dass zwei Flossenschwimm-Athleten ohne jemals bei einer Apnea-Veranstaltung teilgenommen zu haben, ohne Vorausscheidung und Vorbereitung, ohne vorhandenen Apnea-Nationaltrainer, ohne Präsidialbeschluss, zu einer Apnea-Europameisterschaft entsendet werden. Auch, dass vom Präsidenten und Vizepräsidenten stets Leistungssport-Trainingslager und -Großveranstaltungen a priori als „vom TSVÖ bezahlte Urlaube“ bezeichnet werden, ist unfassbar und untragbar, beweist die totale Unkenntnis über Leistungssport der Handelnden. Ich geniere mich außerdem das Büro meines Sportverbandes zu betreten in dem sich seit rund einem halben Jahr offen die Bierflaschen stapeln – Bier im staatlich finanzierten Sportbüro, was ist das für ein Signal an die Jugend? So sah meine Arbeitsvision nicht aus.

Im TSVÖ wird seit Jahren mehr als die Hälfte der Sportfördergelder sinnlos versenkt, maßgeblich für Funktionäre und Dinge die mit Leistungssport gar nichts zu tun haben beziehungsweise ein Zusammenhang damit konstruiert wird um kommerziell agierende Hobby-Tauchvereine damit zu finanzieren und um eine redundante Tauchvereinsstruktur künstlich am Leben zu erhalten. Auch davon ist im TSVÖ keine Abkehr erkennbar.

Das ist nur die Spitze des Eisbergs;  es sind hier Punkte erreicht, bei dem ein Leistungssport-Vertreter nicht mehr still halten kann und die Konsequenzen daraus ziehen muss.

Auch darum trete ich heute zurück.

Somit mache ich den Platz frei, für jemanden die/der mehr Zeit, Energie und Leidensbereitschaft aufwenden kann als ich und die stark auseinanderklaffenden Interessen zwischen den chaotischen Sport-Kommissionen und der passiven Hobbytaucher-Truppe im Verband zu kitten vermag, und mit solch einem Präsidium im notwendigen Ausmaß arbeiten kann.

Aufgrund dieses mir in den letzten Jahren sehr deutlich gewordenen unveränderbaren Grundstruktur-Fehlers des TSVÖ, kann ich (so wie viele andere) keine Perspektive mehr für eine erfolgreiche globale Spitzensportart im TSVÖ und somit keine erfolgreiche Zukunft für den TSVÖ erkennen – auch deshalb fehlt mir das Motiv mich weiterhin im Präsidium engagieren zu können.

Meine Mitgliedschaft und ehrenamtliche Sekretärstätigkeit in der „International CMAS-Finswimming Commission“ (IFC) möchte ich aber langfristig ausfüllen, ich bin hier Teil eines professionell arbeitenden Teams, hier sehe ich Gestaltungsmöglichkeiten und Visionen, kann meine internationalen politischen Kontakte/Erfahrungen einbringen und Maßnahmen rasch umsetzen, insbesondere das olympische Ziel betreffend – über die IFC-Tätigkeit werde ich das TSVÖ-Präsidium und die -Kommission stets informieren und für TSVÖ-Medien berichten. Die Kosten trage ich dafür selber – sofern diese nicht vom Bundessportförderfonds gefördert werden (so wie bisher).

Um mögliche Kommunikationsprobleme zu vermeiden und Vorwürfen der Eigeninteressen zuvorzukommen, sowie akuter Strategiedifferenzen, überlasse ich ab sofort sämtliche Sportagenden dem Präsidium. Eine/n Nachfolger/in will sich das Präsidium selber suchen, wurde mir gestern mitgeteilt, deshalb hüte ich mich hier ebenfalls vor Empfehlungen oder weiteren Übergabebemühungen.

Für etwaige Fragen, Infos oder Tipps bin ich gerne erreichbar.

Mit sportlichen Grüßen und alles Gute!
János A. Fehérváry

Rücktritt eingereicht am Mittwoch, 3. September 2014