Freiheit Für Flossenschwimmen!

Freiheit für Flossenschwimmen!

Flossenschwimmen ist nicht Tauchen – es ist Schwimmen. Flossenschwimmen ist Leistungsschwimmsport mit tiefem Mehrwert für unsere Jugend und Gesellschaft. Flossenschwimmen hat Potenzial zu einer global bedeutenden Sportart aufzusteigen. Seit Jahrzehnten ist sie jedoch in Geiselhaft der trägen, leistungsfeindlichen Taucher, in derer Struktur gefangen. Flossenschwimmer ihr seid und könnt mehr! Werdet endlich unabhängig, löst euch von den Tauchern und reiht euch in den Schwimmverband ein!

 

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Flossenschwimmer am Start.

„Flossenschwimmen – häää? Was ist das überhaupt?“ – fast täglich muss der Flossenschwimm-Athlet eine Antwort darauf parat haben, seine Sportart und seinen enormen Trainingsaufwand rechtfertigen. Als „schwule Meerjungfrau“, „Delfinstrampler“ oder „Haubentaucher“ schmäht der Uninformierte den Flossenschwimmer beim ersten Eindruck. Nur wenige Sportfreaks wissen: Dahinter verbirgt sich eine gesunde Körperkunst und höchst kompetitive olympische Sportart mit eigener Kultur und globalem Charakter.

 

Flossenschwimmen ist wie Schwimmen: Die Wettkampfstrecken sind gleich (50 bis 1.500 Meter), Wettkämpfe werden meist in einem 50-Meter-Becken ausgetragen, es gibt nationale Meisterschaften, Weltcups, Kontinental-Meisterschaften, Welt-Meisterschaften und alle vier Jahre World Games. Ein Athlet ist international nur dann annähernd konkurrenzfähig, wenn er im Kindesalter begonnen hat, mindestens durchschnittlich 15 Stunden pro Woche fast ganzjährig und ganzkörperlich trainiert – er einen professionellen Betreuerstab für viele Jahre um sich hat.

 

Was unterscheidet nun „Finswimming“ vom „clean swimming“? Vom leistungssportlichen Charakter her wenig – äußerlich anders ist Flossenschwimmen durch …

  • den Materialeinsatz: Schwimmen mit einer Monoflosse oder zwei BiFin-Flossen, einem Mittelschnorchel oder einer Pressluftflasche

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    Trainingsmonoflossen und Schnorchel.

  • die Geschwindigkeit: Flossenschwimmer sind bis um das Dreifache schneller
  • die Bewegung und Beanspruchung anderer Muskelgruppen: Beine, Rücken und Bauch sind beim Flossenschwimmer besonders ausgeprägt; beim Schwimmer der Oberkörper
  • die Organisation: Flossenschwimmen ist weltweit heterogen gemanagt – mehrheitlich von Tauchverbänden, von eigenständigen Flossenschwimm-Verbänden und auch von Schwimmverbänden
  • die Nichtaufnahme im olympischen Programm: Flossenschwimmen ist als olympische Sportart vom Internationalen Olympischen Komitee anerkannt; Flossenschwimmen war jedoch noch nie bei Olympischen Spielen – eine Teilnahme ist lediglich in Aussicht gestellt

 

Ein Flossenschwimmer ist kein Taucher

Indes hat der Flossenschwimmer mit dem Taucher kaum Berührungspunkte – die einzigen Gemeinsamkeiten sind die physikalischen Gesetze die im Wasser auf ihn wirken. Nicht einmal die gleichen Flossen, Mittelschnorchel oder Flaschen verwenden Flossenschwimmer und Taucher. Während der Flossenschwimmer asketisch, athletisch und zielorientiert lebt, bis zu tausend Stunden im Jahr trainiert, frönt die Mehrheit der Taucher ihrem gesellschaftlichen Hobby gekoppelt mit fröhlichen Alkohol- und Zigarettenkonsum und macht sich nur ab und zu nass. Kaum ein Flossenschwimmer bezeichnet sich deshalb als Taucher.

 

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In Action: eine junge Flossenschwimmerin.

 

 

Junge Sportart „Finswimming“

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Flossenschwimm-Weltmeisterchaft in Athen im Jahr 1992: Der Österreicher Stephan Part belegt Platz 6 über 200 Meter Flossenschwimmen.

Der klassische Schwimmsport kann auf mehrere Jahrhunderte Geschichte zurückblicken – die ersten professionellen Schwimmwettkämpfe gab es ab dem Jahr 1837 in England. Der Flossenschwimm-Sport ist vergleichsweise jung: Mehr als 150 Jahre später, ab 1958 fanden in der abgeschotteten Sowjetunion und im Ostblock die ersten Flossenschwimm-Wettkämpfe statt – erst ab den 1970er-Jahren gab es internationale Wettkämpfe im Flossenschwimmen in westeuropäischen Ländern. Die internationalen Wettkämpfe wurden seither großteils von Tauchverbänden ausgerichtet – die professionellen Athleten und Trainer kamen hingegen mehrheitlich aus der Schwimmsport-Szene und prägten somit den Flossenschwimm-Charakter und das hohe Sportniveau wesentlich. In den damaligen Ostblock-Ländern wurden Kader-Schwimmer die sich nicht für die Schwimm-WM oder Olympische Spiele qualifizierten zu internationalen Flossenschwimm-Wettkämpfen entsendet und bereicherten den Flossenschwimmsport.

 

Mitte der Neunzigerjahre verbreiterte und professionalisierte sich der Flossenschwimmsport: Bei Weltmeisterschaften und Weltcups waren Länder aller Kontinente vertreten, der Flossenschwimmsport begann sich mehr und mehr unabhängig vom Tauchweltverband zu etablieren. Bei der letzten Weltmeisterschaft 2013 in Kazan (Russland) nahmen über vierzig Länder teil, im Jahr 2014 gab es insgesamt mehr als tausend Weltcup-Teilnehmer. Teilnehmerzahlen die so manche Olympia-Wintersportart (wie etwa Skispringen oder Skeleton) in den Schatten stellen. Wermutstropfen: Große Wassersport-Nationen wie etwa die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Australien, Kanada oder Südafrika nahmen bisher an keinen internationalen Großveranstaltungen teil.

 

Tauchstruktur verursacht schwere Mängel

Trotz der großen internationalen Zuwachsraten im Flossenschwimm-Sport der letzten Jahre ist die öffentliche Wahrnehmung dieser Sportart annähernd bei null geblieben: Wettkämpfe und Großveranstaltungen werden von ahnungslosen Tauchvereinen/-verbänden so stümperhaft organisiert, dass es meist besser ist, diese Wettkämpfe vor den Medien zu verstecken. Für den Welttauchverband und die nationalen Tauchverbände (von den schmuddeligen provinziellen Landestauchverbänden gar nicht erst zu reden) ist der Flossenschwimmsport ein lästiges Anhängsel das „irgendwie“ mitgeschliffen wird. Presse-, Öffentlichkeitsarbeit, Marketing – geschweige denn ein dafür vorgesehenes brauchbares Budget – für Flossenschwimmen aus den Tauchverbänden gibt es nicht.

Die internationale Flossenschwimm-Kommission wird nur als Feigenblatt zum Schein gehalten, wesentliche Flossenschwimm-Entscheidungen werden von einem korrupten Tauchpräsidium gefällt – meist zu Ungunsten des Flossenschwimmsports. Doping wird offiziell dämonisiert, aber eine ernstzunehmende Doping-Bekämpfung gibt es im Flossenschwimmen nicht, ehemalige überführte Dopingsünder und im dringenden Verdacht stehende Doping-Athleten werden von Vertretern der großen Tauchverbände hofiert und für ihre Zwecke instrumentalisiert. Wissenschaftliche Arbeiten und Studien zum Flossenschwimmen gibt es kaum, von den Tauchverbänden nicht beauftragt oder gar angeregt.

Solange diese von der Tauchstruktur bedingten Zustände im Flossenschwimmsport vorherrschen, solange gibt es keinen wahren gesellschaftlichen Mehrwehrt, solange bleibt die Aufnahme ins olympische Programm verwehrt.

 

Von Tauchern versenkte Flossenschwimm-Fördermittel

Den Tauchern ist Flossenschwimmen also eh wurscht … nicht ganz! In fast allen Nationen hält mittlerweile der Flossenschwimmsport die Tauchverbände finanziell und strukturell über Wasser. Sportförderungen und Infrastrukturhilfen werden nur mehr für Leistungssportarten vergeben. In der Praxis jedoch werden diese Sportförderungen und Infrastruktur-Maßnahmen von den Tauchverbänden zweckentfremdet: Kommerzielle Tauchausbildungen finden auf den für die Leistungssportler (Flossenschwimmer) vorgesehenen Bahnen in Schwimmbädern statt, Fördergelder werden für den Erhalt einer kommerziellen Tauchstruktur versenkt (etwa Tauchmitgliederverwaltung, Tauchausrüstung für private Vereine, Ausbildung kommerzieller Tauchlehrer, Taucherpartys und Tauchmessen, Unterwasser-Flora- und -Fauna-Pflege, …), Fördermittel werden für Scheinsportarten wie Apnoe oder Sportdiving mit weltweit kaum Sportlern verprasst.

Die für das Flossenschwimmen vorgesehenen Mittel erreichen den Flossenschwimmsport nur im geringen Ausmaß: Meist genug um die Sportart nicht sterben zu lassen, aber bei weitem nicht genug um den gesellschaftlichen Sinn solcher Förderungen umzusetzen und Athleten international konkurrenzfähig zu machen.

 

Besonders ausgeprägt war diese Zweckentfremdung der Fördermittel in den letzten zehn Jahren in Österreich. Flossenschwimmen hat hier in gut organisierten Flossenschwimm-Vereinen einen enormen Zulauf an Kindern und Jugendlichen aufgrund des direkten Jugendförder-Systems (Vereine erhalten Direktzahlungen für Jugendtitel). Im Alter zwischen 16 und 21 gehen die meisten jungen Athleten verloren, sie hören auf.

 

In diesem kritischen Entwicklungsalter muss die Förderarbeit der Landes- und Nationalarbeit voll zum Tragen kommen: Da die Finanzmittel und Ressourcen für Tauchinteressen und nicht für den Leistungssport verwendet werden, beenden viele Athleten aufgrund mangelnder Betreuung und Motivation ihre Flossenschwimm-Karriere. „Für was weitertrainieren? Für einen mir fremden Verband der mich nicht fördert und meine Leistung nicht einmal erkennt?“, fragen sich viele dieser Teenager.

 

Finswimming in Helenic Finswimming Federation (c) koe.org.gr

Griechischer Flossenschwimmer auf der Startseite des Griechischen Schwimmverbandes. (c) koe.org.gr

 

Griechen im Schwimmverband

International langfristig erfolgreiche Flossenschwimm-Nationen wie etwa Russland, Italien oder Frankreich haben Flossenschwimmen strukturell ausgelagert, sind in eigenen Flossenschwimm-Verbänden organisiert und haben mit den Tauchverbänden nur mehr formal zu tun. Die griechischen Flossenschwimmer sind Teil des Griechischen Schwimmverbandes und erfolgreich damit. Diese Verbände arbeiten mit gezielter Mittelverwendung und haben auch für erwachsene Athleten eine Berufsperspektive geschaffen.

 

Nur weg von den Tauchern!

Gemeinsam mit den Tauchern und dem Tauchverband kann die Sportart Flossenschwimmen sich nicht weiterentwickeln oder gar jemals bei Olympischen Spielen teilnehmen. Dringender denn je müssen sich die Flossenschwimm-Vereine zusammenschließen, ihre Interessen bündeln und vertreten – sich mit ihren Brüdern, den Schwimmern, vereinen. Nach dem griechischen Vorbild kann Flossenschwimmen als eigene Sparte neben dem klassischen Schwimmsport im Schwimmverband aufgehen. In vielen Bereichen lassen sich hier Synergien finden, da der Schwimmer dem Flossenschwimmer näher ist: Gezielter Einsatz von Fördermitteln und Rahmenbedingungen, sinnvolle Athletenausbildung und koordinierte Trainingsmaßnahmen, regelmäßiger Erfahrungsaustausch in der Trainingslehre, langfristige Mitgliederbindung und -aktivierung, gemeinsame Marketing- und Öffentlichkeitsarbeits-Maßnahmen … letztendlich mehr gemeinsame Olympia-Medaillen.

 

Schlimmer als mit den Tauchern kann’s nicht werden

„Der Schwimmverband wird uns überfahren“, sind Flossenschwimm-Trainer und Funktionäre besorgt. Zu Recht, gibt es doch auch in den Schwimmverbänden immer wieder Turbulenzen und Hardliner die gegen die „kleineren“ Sparten wie etwa Wasserball oder Synchronschwimmen wettern. Die Gefahr für Flossenschwimmer von den Schwimmern erdrückt zu werden besteht – sofern sich die Flossenschwimmer selbst organisieren und für ihre Interessen stark eintreten, ist diese Gefahr gebannt. Gar ein eigener Flossenschwimm-Verband wäre auch eine Idee, aber in kleinen Ländern wie Österreich oder Griechenland, gibt es zu wenige Vereine, die einen eigenen Weg sinnvoll machen – weder für Athleten, noch für den Fördergeber. Außerdem: Schlimmer als mit den Tauchern kann es nicht werden.

 

Raus aus dem Tauch-Regime!

finswim-austria_logoFlossenschwimmer! Raus aus dem Regime der Tauchverbände. Tauchen und der Flossenschwimmsport sind zwei unterschiedliche Gattungen, wie „Katz und Hund“, die in konträre Richtungen gehen, nicht miteinander können und wollen. Tauchverbände, gebt Flossenschwimmen ab, Flossenschwimm-Vereine verbindet euch, geht den Weg zum und mit dem Schwimmverband. Freiheit für Flossenschwimmen!

 

(Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wurde in dem Text auf eine geschlechtsspezifische Differenzierung, wie etwa Athlet/Innen, verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung für beide Geschlechter.)

 

Kommentar von János Aladár Fehérváry, am Samstag, 17. Jänner 2015
Feedback auf twitter.com/fehervary

 

Ungarisches Promotion-Video Finswimming

 

 

Passend dazu:

Flossenschwimmen (Wikipedia Deutsch)
Finswimming (Wikipedia Englisch)
History of Finswimming
Schwimmsport (Wikipedia Deutsch)
Streckentauchen erklärt
Griechischer Schwimmverband
(Hellenic Swimming Federation)
Finswimmer Magazin

Professionell geführte Flossenschwimmvereine in Österreich:

Speedfish
Vienna Dolphins